Die heftigste Droge unserer Zeit

Kaffee ist eine der verbreitetsten Stimulanzien, das Koffein die heftigste Droge unserer Zeit.


Es ist die Quantität der Verbreitung und nicht die Qualität ihrer mitunter psychoaktiven Wirkung die auffällig ist.

Der massenweise Konsum von Koffein ist eine starke Reflektion des Bedürfnisses unserer Gesellschaft.
Während in der Geschichte der Rauschmittel Drogen oft zur Bewusstseinserweiterung und transzendentalen Erfahrung genutzt wurden, dient Koffein in unserer Gesellschaft weder dazu einen Verbindung zu unseren Göttern aufzunehmen, oder andere spirituelle Erfahrungen zu machen, noch dient es dazu einen Ritus wie eine kulturelle Initiation zu begleiten, oder einzuleiten.
Koffein dient dazu Arbeit zu verrichten. Es lässt uns wach und motiviert sein, da es die neurologischen Rezeptoren für Erschöpfung und Müdigkeit blockiert.

Koffein ist Mittel zum Zweck der Produktivität.

Jenseits einer bewusstseinserweiternden Drogenerfahrung, ist es eine stark verbreitete Droge um Leistung zu erbringen.
Koffein ist eine Leistungsdroge die uns in dieser Gesellschaft, die von Leistung, Wettbewerb, Konsum, Material und Kapital geprägt ist, als ein Erfüllungsgehilfe dient, ein systemerhaltender und fördernder Bestandteil zu sein.

Koffein lässt uns an den Rhythmus der Uhr, abgewandt von den Zyklen der Natur, angepasst, eine Funktion erfüllen, welcher dem menschliche Organismus nicht inne liegt.
Der Nomalkosum besteht darin dem Menschen innerhalb seines Alltags eine Geschwindigkeit und Wachheit zu verleihen, zu Zeiten und zu Anforderungen, zu denen er nur widerwillig, oder ohne diesen Wirkstoff nur träge bereit wäre. 

Ausnahmen bestätigen die Regel.

Ausnahmen ragen beim Koffeinkonsum natürlich auch zu einigen anderen Zwecken hervor.
Denn ebenso wie als Leisungstmacher, kann Koffein vor medizinischen Hintergründen verwendet werden. Hier regt es den Stoffwechsel an und kann im Rahmen dessen vielseitig hilfreiche und Seegen bringende Anwendung finden. 

Auch als beflügelnde, in schöpferischen und kreativen Prozessen mit einfließende, jedoch immer vor dem Hintergrund der erbringenden Arbeit, wirkende Substanz, findet Koffein seine Anwendung. 

Nicht zu verschweigen ist der kulinarische Aspekt des geschmackvollen Genusses, mit oft ästhetischer Gestaltung der Zubereitung und exquisit anmutender Kredenz einer Kaffeevariation. Gerne auch innerhalb eines entsprechend kulturell gepflegten Rituals und in hippen Gastronomien. 

Der Großteil der Verwendung von Koffein erstreckt sich jedoch über den Tag des Menschen verteilt, um ihn in der Bereitschaft zu halten, Arbeit zu verrichten. 

Um der praktischen Greifbarkeit und um auch alle Geschmäcker und Generationen zu erreichen, hat das Koffein eine ebenfalls hippe und kulturelle Entsprechung in den sogenannten CoffeeToGo- und Energiegetränken unserer Zeit gefunden. Ob es nun die zweischwänzige Sirene auf dem Becher, eine Cola, eine stylische Dose der Flügel verleihenden Marke, oder eine Dose mit den kratzspuren eines Monsters ist, sie alle haben ihren etablierten und selbstverständlichen Platz in Regalen der Geschäfte und unserer Gesellschaft gefunden, sind um keinen geschmackliche Variation verlegen und verkörpern eine leistungserbringenden Lebensstil.

Natürlich liegt die Bedeutung des Koffeins nicht in der Droge an sich, sondern gewinnt an Bedeutung für sich durch die Verwendung. Wie bei jeder Verwendung einer Substanz, oder Verwendung von allem im Allgemeinen, kommt es auf die Art der Verwendung an, die Intention die ich damit verfolge und die Beziehung damit, welche sich dadurch ausbildet.
Koffein in Form von Kaffee und Tee ist aus unserer Gesellschaft, unseren Arbeitsstätten und unseren privaten Bereichen nicht mehr wegzudenken. Ein kultureller Aspekt um den sich das drei Uhr Nachmittagskränzschen mit Kaffee, oder die zum etwas späteren Nachmittag sich hinziehenden Teezeit handelt. Beides wird gerne mit Gebäck eingenommen und in Gesellschaft zelebriert.

Die Wahrnehmung dieser Droge als eine solche ist nur selten gegenwärtig. Obwohl die Wirkung sehr klar und anerkennend in Anspruch genommen wird, so ist in der Norm der Gesellschaft der Definitionsbegriff einer Droge eher befremdlich.
Wir stigmatisieren Drogen vor den Hintergrund des Systems welches vorhanden ist. Der Status Quo ist immer bestrebt sich selber zu erhalten.
Viele Drogen haben die Eigenschaft die Bedeutungen und daraus resultierenden Ansichten für eine Zeit zu verschieben. Eine Alternative könnte in die Bewusstheit des Sapiens treten und er würde vielleicht den Status Quo in Frage stellen.
Viele Drogen sind natürlich auch toxisch bis lethal und ihnen haftet daher ein Stigma an. Allerdings ist nicht einfach so damit zu argumentieren, denn dem Alkohol und dem Nikotin sind die meisten drogeninduzierten Kranken und Toten geschuldet. Diesem Thema soll an dieser Stelle aber nicht gemeißelt werden.

SvS – 04.02.2020





Tipp: „Rausch und Realität – Drogen im Kulturvergleich“ 3 Bände
Von Gisela Völger und Karin von Welck
Bei Rowohlt erschienen